17. Juli 2026
Husarenstreich in MV: Lehren aus Hagenow?
Wie die Ostsee-Zeitung berichtet [€], plant das Bildungsministerium rund um Simone Oldenburg eine Verschärfung für die Versetzung. Wer eine 5 in einem der Kernfächer Mathe, Deutsch oder Englisch bzw. der ersten Fremdsprache hat, soll nicht versetzt werden. Wenn das in der Klasse 7 geschieht, muss das Gymnasium verlassen werden. Für alle, die es nicht wissen: in Mecklenburg-Vorpommern gibt es eine sogenannte Orientierungsstufe, das sind die Klassen 5 und 6. Die Klasse 7 ist die erste gymnasiale Klasse.
Wir schauen uns diese Maßnahme einfach kurz mal an. Mecklenburg-Vorpommern unter dem Bildungsministerium rund um Simone Oldenburg hat bundesweit den Spitzenplatz bei der Durchfallquote im Abitur. Mecklenburg-Vorpommern hat in der Schulabbrecherquote einen Spitzenplatz. Was will die Ministerin mit so einer Maßnahme bezwecken? Ein Schelm, der sich etwas dabei denkt. Die Ministerin plant offenbar die Durchfallquote beim Abitur zu senken. Ist das eine Lehre aus dem Fall in Hagenow, wo dieses Jahr 34% aller Abiturientinnen das Abitur nicht geschafft haben?
Oder eine andere Frage: wie wäre es, wenn Frau Oldenburg ihren Laden in den Griff bekommen würde und etwas für Lehrerbildung und Schulreform tun würde? Weit gefehlt! Frau Oldenburg scheint noch in der DDR zu leben und neue Erkenntnisse aus Psychologie, Soziologie, Neurologie und Pädagogik schlicht zu ignorieren. Den Auftrag, jedem Kind eine angemessene Schulbildung zukommen zu lassen kennt sie nicht. Das ist die eigentliche Tragik.
Was wir wissen: Schülerinnen und Schüler leiden durch Demütigung, schlechte Bewertung und Bedrohung ein Leben lang. Notengebung ist ungerecht und umstritten. Fortschrittliche Länder verzichten bis in die Klasse 9 komplett auf Notengebung. Fortschrittliche Länder kennen Förderung, aber kein Sitzenbleiben. Wo Demütigung und Bedrohung möglich ist, wird dies von Lehrkräften auch ausgenutzt. Was Frau Oldenburg hier macht, ist eine Abwälzung ihrer Verantwortung auf die Schwächsten der Gesellschaft: die Kinder.
Und alle lassen es sich gefallen. Kein Elternrat steht auf und die Schülerinnen und Schüler schlucken solche Verschärfungen ohne murren. Lehrer sagen: ja, das ist genau die richtige Maßnahme - wir sind eh schon überfordert und das System kann nicht jeden zum Abitur bringen. Dass Frau Oldenburg mit diesen Maßnahmen weiter die Kinder- und Jugendpsychiatrien füllt? Ist doch egal, das kümmert uns nicht. Anders ausgedrückt: die Demokratie schafft sich weiter selber ab. Was machen frustrierte Eltern, frustrierte Schülerinnen und Schüler? Genau, sie werden zu Protestwählern. Wie bekloppt sind die führenden Entscheider dieses Staates eigentlich? In der Schule hätte man gesagt: die können nicht mal 1 und 1 zusammen zählen.
Wenn sie so weiter machen, haben wir bald eine ganz besondere Gesellschaft. Entweder Du bist als Patient oder als Psychologe in der Psychiatrie. Die ganz normale Gesellschaft, in der empathische Menschen ihren Anteil am Gelingen beitragen wird weniger und weniger.
Mir fehlen die Worte. Schule geht besser.