14. Juni 2026
Schulrecht: Interview mit der Rechtsanwältin Cornelia Liedtke
Marco Fechner ist seit 2013 engagierter Elternvertreter in Berlin Pankow. Über seine Arbeit berichtet er auch auf seiner interessanten Website unter marcofechner.de.
In einem Interview spricht er mit der Rechtsanwältin Cornelia Liedtke über Eltern- und Kinderrechte und darüber, was sich an Schulen dringend ändern müsste. Das Interview trägt den Titel Elternrechte müssen echte Konsequenzen haben. Ich erwähne dieses Interview hier, weil es wiederum eine andere Perspektive auf das komplexe System Schule wirft und dem Motto dieser Website "Schule geht besser" gerecht wird.
Im Interview geht es unter anderem um Schulzuweisungen und Schulbegleitung, Mobbing und Diskriminierung. Es geht um die mangelhafte Umsetzung von Inklusion, also auch um den Umgang mit benachteiligten Schülerinnen und Schülern. Und immer wieder um die Machtlosigkeit von Eltern und Schülern gegenüber dem System. Marco Fechner und Cornelia Liedtke beziehen sich auf das Schulrecht und das Schulsystem in Berlin. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind jedoch eher marginal, so dass ihre Aussagen auf das gesamte System übertragbar sind.
Das Schulrecht ist unterausgestattet mit wirksamen Eltern-, Elternvertretungs- und Kinderrechten. ... Schule hat auf der einen Seite einen enormen behördlichen Apparat und Mittel: Ordnungsmaßnahmen, Notengebung, Durchsetzung der Schulpflicht. Auf der anderen Seite stehen Familien mit Rechten, die sie kaum durchsetzen können. Das ist ein fundamentales Machtungleichgewicht.
[...]
Ich glaube, als erstes müsste Schule generell eine andere Haltung entwickeln und demokratischer werden. ...
Dringend notwendig wäre deshalb auch eine wirklich unabhängige Konflikt- und Beschwerdestelle.
Cornelia Liedtke, Rechtsanwältin
Weiterhin empfiehlt Cornelia Liedtke die Abschaffung der Notengebung bis zur Klasse 9 sowie den Ausbau der Gemeinschaftsschulen.
Alle im Interview vorgeschlagenen und gewünschten Maßnahmen wären nach wissenschaftlichen Erkenntnissen sinnvoll. Auch im Hinblick auf die dringend notwendige Demokratisierung von Schulen wären die Maßnahmen erforderlich. Weiterhin wären sie volkswirtschaftlich sinnvoll. Weniger psychische Schäden bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen würden die Volkswirtschaft mittel- bis längerfristig deutlich entlasten. Und woran hakt es nun? Es hakt einzig und allein am politischen Willen. Das ist der eigentliche Skandal. Dass sich Politik im Schulwesen ein Totalversagen leistet und dies dann auf dem Rücken von Lehrerinnen und Lehrern, Schülerinnen und Schülern, den Eltern und der Gesellschaft ausgetragen wird, darf eigentlich nicht sein. Ja, man muss geradezu annehmen, dass die Verweigerung von Schulreformen böswillig in Kauf genommen wird. Dabei beteiligen sich alle politischen Parteien am konservativen Protektionismus. Das sind eher düstere Aussichten.