15. Juni 2026

Studie über Auswirkungen gelegentlicher Gewalt

Gelegentliche psychische oder körperliche Gewalt schadet Kindern und Jugendlichen nicht. So die landläufige Meinung.

Um es ganz klar zu sagen: körperliche Gewalt ist immer verboten. Außerdem: psychische Gewalt ist ebenso verboten. Sie wirkt genauso wie körperliche Gewalt. Das Hirn unterscheidet nicht zwischen physischer und psychischer Gewalt. Auch wenn die Studie explizit die physische Gewalt nennt, werde ich nur noch den Begriff Gewalt verwenden.

Das University College London (UCL) hat in einer Langzeitstudie untersucht, wie sich gelegentliche Gewalt auf Kinder und Jugendliche auswirkt. Wir dürfen jedoch in jedem Falle annehmen, dass dort, wo gelegentliche körperliche Gewalt angewendet wird, auch psychische Gewalt ausgeübt wird.

Die Millennium Cohort Study (MCS) ist eine britische Längsschnittstudie. Sie begleitet das Leben von rund 19.000 jungen Menschen, die zwischen 2000 und 2002 in England, Schottland, Wales und Nordirland geboren wurden.

Im Juni 2026 wurde finale Report dieser Studie unter dem Titel Körperliche Züchtigung und die Entwicklung von Kindern im Vereinigten Königreich [pdf] veröffentlicht. Die Studienautorin Dr. Anja Heilmann u.a. belegen einen klaren Zusammenhang zwischen Entwicklungsstörungen und gelegentlicher Gewalt durch Erwachsene.

Trotz eines rückläufigen Trends waren im Jahr 2020/21 immer noch mehr als 20% der 10-jährigen Kinder von körperlicher Züchtigung betroffen. Es ist anzunehmen, dass jüngere Kinder deutlich stärker davon betroffen sind, da körperliche Züchtigung vor allem im Vorschulalter verbreitet ist und mit zunehmendem Alter der Kinder tendenziell abnimmt.

Inwieweit diese Zahlen auf Deutschland übertragbar sind, ist nicht Bestandteil der Studie. Wir dürfen aber annehmen, dass die Zahlen entsprechend hoch, in jedem Falle aber zu hoch sind. Ein einziger Fall ist ein Fall zu viel. Jeder Fall von Gewalt ist ein Fall zu viel.

Körperliche Züchtigung steht in Zusammenhang mit einer geringeren Lese- und Schreibkompetenz in der frühen Kindheit.

Die wiederholte Erfahrung körperlicher Züchtigung im Alter von 3, 5 und 7 Jahren stand in Zusammenhang mit geringeren Lese- und Schreibfähigkeiten im Alter von 7 Jahren. Es gab keinen Zusammenhang zwischen körperlicher Züchtigung und Rechenfähigkeiten.

Es fallen hier interessante Zusammenhänge auf. Gibt es möglicherweise eine Korrelation zwischen Gewalt gegen Kinder und PISA-Ergebnissen? Gibt es eine direkte Korrelation zwischen Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen und deren Lernergebnissen? Und in der Tat gibt es die. Sie werden nur zu oft ignoriert.

Jugendliche, die in ihrer frühen Kindheit körperliche Züchtigung erfahren hatten, gaben im Alter von 14 und 17 Jahren häufiger an, riskante und antisoziale Verhaltensweisen zu zeigen.

Hier düfen wir besonders aufmerken. Es scheint hier ein direkter Zusammenhang von Gewalt gegen Kinder und Jugendliche durch Bezugspersonen und deren Sozialverhalten zu geben.

Die gute Nachricht aus dieser Studie ist, dass Bezugspersonen durch wohlwollendes, wertschätzendes und zugewandtes Verhalten direkten positiven Einfluss auf die Lernleistung und das Sozialverhalten von Kindern und Jugendlichen haben. Das ist nicht teuer, es ist keine Raketentechnologie, jeder kann das tun. Die schlechte Nachricht ist, dass Elternhäuser, Kindertagesstätten und Schulen noch einiges Potential haben, um für alle Kinder und Jugendlichen optimale Voraussetzungen für das künftige Leben zu bieten.

Spielen und lernen hat unter dem Titel Körperliche Strafen schaden Kindern - Folgen für Verhalten und Schulerfolg eine lesenswerte Zusammenfassung der Studie veröffentlicht.