9. Juli 2026

Durchgefallen: 34% der Abiturienten an einem Gymnasium in MV schaffen das Abitur nicht

Durchschnittlich fielen 2024 in MV 7,4% aller Abiturienten durch. In Baden-Württemberg sind es 3,2%. Am Gymnasium in Hagenow waren es dieses Jahr 18 von 52 Schülerinnen, also 34% der Abiturienten, die das Abitur nicht geschafft haben.

Eine mutige Schülerin hält an der Feier eine Rede. Die Rede endet mit "fickt euch alle ..." und tosendem Applaus. Die Schülerin benennt in ihrer Rede ziemlich genau Ross und Reiter.

"Sind wir wirklich alle zu blöd gewesen, haben wir nicht gelernt, oder liegt es vielleicht an anderen Dingen" - so die Schülerin. Sollte die Schule oder das ganze System einmal darüber reflektieren, was hier schiefgelaufen sein könnte? Das halte ich für unwahrscheinlich. Was ist denn dem Personal in dieser Schule eigentlich wichtig. Das Erlangen von Selbstvertrauen und die Förderung vieler einzelner Individuen? Oder ist es wichtig, dass niemand das Schulgelände verlässt und rauchende Schüler von denen angemault werden, die selbst gerade eine Zigarette in der Hand haben. Ist es hier wichtig, dass Schülerinnen stolz auf sich sind oder ist es wichtig, dass einige Lehrer die Traumata ihrer Schulzeit an den Schülerinnen auslassen anstatt in Therapie zu gehen." (lauter Applaus)

...

"Wie kann es sein, dass viele Lehrer seit 20 Jahren die gleichen Arbeitsblätter austeilen und exakt die gleichen Unterrichtsinhalte vermitteln, wenn die Prüfungen und Erwartungshorizonte sich jährlich ändern. Viele Lehrer sind so überheblich, dass sie denken 'wir haben das doch immer so unterrichtet, warum sollten wir das ändern?'" ... "Wie kann es sein, dass persönliche Probleme zwischen Lehrern und Schülern sich zuerst auf die Ergebnisse der Mitarbeitsnoten und letztendlich sogar auf die Ergebnisse der mündlichen Prüfungsnoten auswirken?" (anhaltender Applaus)

Im Nordkurier könnt ihr euch die ganze Rede anhören.

Der NDR berichtet, dass das Schulamt in Schwerin analysieren will, weshalb die Durchfallquote so hoch war. Andere Medien kritisieren die klare Wortwahl der Schülerin. Kommentare unter Berichten lassen teilweise in tiefe Abgründe blicken:

Müssen 100% bestehen? Zumindest haben fasst 70% bestanden.
(Merkur)

Ich bin einmal mehr erstaunt und erschüttert, wie gleichgültig Behörden und das System mit dem Phänomen umgehen. Es wird gejammert und über die Jugend gemeckert. Wenn einmal eine Schülerin die Ursachen klar benennt, wird betreten weggeschaut. Oder sie wird wegen ihrer Wortwahl kritisiert. Wo, so frage ich mich, ist denn das Problem, dass Schulen und Lehrer evaluiert werden? Es ist doch eine Chance für jeden einzelnen Lehrer, jede einzelne Lehrerin besser zu werden. Die Zahlen und Werkzeuge sind doch da. Es kann nur Unwille sein. Und genau in der Bildung gilt das nicht als Ausrede. Schule geht besser.