3. Februar 2026
Ostsee-Zeitung: Direktoren der Gymnasien in MV: Sechs Jahre bis zum Abitur reichen nicht aus
Einmal mehr ist Kopfschütteln bei der Lektüre der Tageszeitung [€] angesagt.
Zunächst einmal zu den Fakten.
Mecklenburg-Vorpommern leistet sich ja die Besonderheit, dass nach vier Grundschuljahren zunächst einmal zwei Jahre Orientierungsstufe eingeschoben werden. Nach der Orientierungsstufe wird dann in das veraltete dreigliedrige Schulsystem aufgeteilt. Wie so bei Schulfragen üblich: alle jammern. Die Lehrer der Orientierungsstufe jammern, dass ja das Leistungsniveau ach so unterschiedlich ist. Und die Gymnasiallehrer jammern, dass die Schüler, die aus der Orientierungsstufe ins Gymnasium wechseln ach so wenig können. Und nun: Sechs Jahre bis zum Abitur reichen nicht aus.
„Wir wünschen uns für unsere Schüler eine längere gymnasiale Bildung“, sagt Heiko Helms, Vorsitzender der Vereinigung und Direktor des Gymnasiums Gadebusch. „Das System, so wie es jetzt ist, ist reformbedürftig.“ Zustimmung kommt vom Landeselternrat. Das Bildungsministerium sieht das anders.
Es ist tatsächlich zum Haare raufen. Diese Schulexperten finden stets neue Ausflüchte, weshalb die Leistungen schlecht sind, was nun wieder für eine kosmetische Veränderung notwendig ist, um das marode System zu retten.
Die Zeitung hat natürlich auch wieder eine Umfrage am Start. Es wird gefragt "Sollten Kinder bereits nach Klasse 4 auf die Regionalschule oder das Gymnasium wechseln?". Ungefähr die Hälfte der Teilnehmer ist dafür, die andere Hälfte ist dagegen. Und einmal mehr: wird Presse hier ihrem Auftrag gerecht?
Leider nein. Im Gegenteil. Man darf hier getrost von Desinformation sprechen. Und dafür ist eine Tageszeitung eigentlich gar nicht da.
Fakt ist: die Aufteilung in das veraltete dreigliedrige Modell ist ungerecht und erfolgt zu früh. Fakt ist: ein Schul- und Kohortenwechsel, wie er mit der Orientierungsstufe in Mecklenburg-Vorpommern besteht, ist nachteilig für alle Schülerinnen und Schüler.
Es gibt aber noch viel mehr Fakten. Ein weiterer Fakt ist, dass es in Zukunft sehr viel mehr darauf ankommt, dass Schülerinnen und Schüler Selbstverantwortung, Selbstwirksamkeit und Sozialkompetenz lernen. Das sind unabdingbare Skills für das ganze Leben, für den Erhalt der Gesellschaft und für die Bewältigung der künftigen Aufgaben. Denn die künftigen Aufgaben bildet das derzeitige Schulsystem gar nicht ab. Deswegen sind beispielsweise jene Schulen so erfolgreich, die bis zur Klasse 9 weitestgehend gemeinsam und ohne ungerechte Notengebung arbeiten.
Das Bildungsministerium würde ich eh nicht als eine kompetente Institution zur Bewertung der eigenen Leistung heranziehen. Das wäre so, als würde man einem Schulverweigerer zugestehen, dass er sein eigenes Zeugnis schreibt. Vielleicht liegt da ja das Problem.
ACh ja ... wie soll man da noch zuversichtlich sein? Wenn weder die Presse (Ostsee-Zeitung) noch die Fachexperten (Direktoren, Landeselternrat), noch die Politik (Bildungsministerium) eine echte Einsicht in die Misere der Schülerinnen und Schüler haben? Wenn diejenigen, die überhaupt einen Einfluss auf Bildung haben Fakten verweigern und verdrehen? Es ist tatsächlich so, wie in einem Witz erzählt wird.
Die Antwort eines Schülers auf die Frage "Was willst du mal werden?": "Fertig mit der Schule".
Ein echter Jammer. Das geht doch besser - was meint ihr?