31. Januar 2026
Junge Menschen beschreiben Schule ganz klar als große Belastung
Triggerwarnung: in diesem Artikel geht es um ernste Themen.
In diesem Interview in der FAZ beschreibt der Kinder- und Jugendpsychologe Julian Schmitz die psychischen Gefahren, denen Kinder und Jugendliche in der Schule ausgesetzt sind.
Lest bitte dieses Interview. Es steht frei zur Verfügung.
Ein paar Ausschnitte:
Viele Kinder und Jugendliche, die sich melden, sind psychisch erheblich erkrankt, viele bräuchten auch eine stationäre Behandlung, bekommen aber keine zeitnahe Behandlung.
So legen neue Daten der DAK eine deutliche Zunahme von Angststörungen bei Kindern und Jugendlichen nahe.
Junge Menschen beschreiben Schule ganz klar als große Belastung.
Dürfte ich mir nur eine Präventionsmaßnahme wünschen, dann wäre es die Kindergrundsicherung.
Julian Schmitz, Kinder- und Jugendpsychologe
Es wird über den psychischen Einfluss des Smartphones auf die psychische Gesundheit eingegangen. Dieser ist vor allem abhängig vom Nutzungsverhalten, also nicht pauschal schlecht oder negativ.
Der Spiegel schreibt unter der Überschrift Der Hilferuf. Die Erschütterung. Die Fragen. [€] in einer ausführlichen Recherche über den Suizid eines 15-jährigen Schülers aus Berlin. In dem Artikel tauchen Vokabeln wie Alarmkette, Notfallplan, Zuständigkeit, Schulsozialarbeit und ähnliche auf. Das Fazit ist erstaunlich nüchtern: keiner hat einen Fehler gemacht, alle haben sich an Vorschriften gehalten. Aber auch: das System hat versagt.
Unter den 10- bis 24-jährigen ist Suizid nach wie vor die höchste Todesursache. Meistens gibt es zuvor Anzeichen für Suizidabsichten.
Wir sehen folgendes sehr klar: Notfallpläne sind schön fürs Papier, in der Praxis helfen sie recht wenig. Auch die von Elternvertretern, Schülerverbänden und Bildungspolitikern stets gebetsmühlenartig wiederholten Forderung nach mehr Schulsozialarbeit werden dem Problem nicht gerecht.
Was wirklich hilft: dem kaputten Schulsystem mal einen Stock in die Speichen zu stecken, es zu stoppen und auf den Prüfstand zu stellen. Nein, diejenigen Kollegen, die das kaputte System mit Durchhalteparolen wie "es ist ja doch nicht so schlecht" und "früher war alles besser", "die Schüler sind Schuld", "die Elternhäuser haben versagt" versuchen zu entschuldigen und aufrecht zu erhalten verdienen keinen Respekt.
Silke Müller war 16 Jahre lang Schulleiterin einer Real- und Mittelschule in Niedersachsen. Ihre Schule wurde mehrfach ausgezeichnet. Nun hat sie ihren Job aufgegeben und sagt sehr klar:
Schule braucht eine Bankrotterklärung.
Silke Müller, ehemalige Schulleiterin und Autorin
Das Interview ist in der Süddeutschen Zeitung unter der Überschrift Schule braucht eine Bankrotterklärung [€] erschienen. Man muss Frau Müller recht geben. Weg zu schauen oder das kaputte System schön zu reden hilft niemandem. Einfach und schlicht hin zu schauen, könnte durchaus helfen. Wir sollten Frau Müllers Argumente prüfen. Sie sagt zum Beispiel, dass Leuchtturmschulen das falsche Signal sind, weil sie dem kaputten System einen Anstrich geben, der sagt:
Geht doch, wenn sich engagierte Lehrkräfte und Schulleitungen nur richtig reinhängen. Doch in der Breite geht es eben nicht. Ich sehe nichts, wo es in der Schule noch gut läuft. Wirklich in keinem Bereich.
Ich wünschte mir jemand mit diesem klaren Blick in der Bundespolitik. Jedoch ist weder auf Bundes- noch auf Länderebene irgendwo ein Fünkchen von Klarheit zu erkennen. Wir sollten uns also nicht wundern, dass John Hattie weiterhin mit recht sagen kann, dass er sich wundert, dass sich Deutschland so ein schlechtes Bildungssystem leistet.
Liebe Freunde, liebe Leserin, lieber Leser. Schule geht besser. Wenn ihr irgendwo die Möglichkeit seht diesem kranken System mit abgefahrenen Reifen und kaputten Bremsen einen Stock in die Speichen zu stecken und es aus dem Verkehr zu ziehen, dann tut das bitte. Alle Schülerinnen und Schüler haben eine bessere Schule verdient.