8. September 2026
Pisastudie 2026 - wieder ein Rekord
Deutschland darf sich einmal mehr als Rekordhalter glücklich schätzen ... wenn es nicht so tragisch wäre. Die aktuelle Pisastudie zeigt: die Ergebnisse der deutschen Schülerinnen und Schüler war noch nie so schlecht wie heute. Wie bitte? Ja, genau: die Ergebnisse haben sich kontinuierlich verschlechtert.
Die Kompetenzen sind so niedrig wie nie zuvor seit Beginn der PISA-Studien und erreichen einen historischen Tiefstand
(Pisa Studie - Zusammenfassung)
Nach der ersten Pisastudie, in denen deutsche Schulen ziemlich schlecht abgeschnitten haben, haben sich angeblich alle Beteiligten sehr ins Zeug gelegt. Naja ... so ein bisschen zumindest. Schülerinnen und Schüler wurden ganz gezielt auf bessere Pisa Ergebnisse gedrillt. So wirklich verbessert hat sich das System leider nicht. Aber immerhin, das Engagement hat Erfolge gezeigt, zumindest bei den Pisa Ergebnissen. Danach folgte die übliche Rolle rückwärts. Wer diesen Blog etwas verfolgt, ahnt so ein bisschen, was da passiert ist und ist von den neuen Zahlen wenig überrascht. Die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen wurden geflissentlich ignoriert. Die Systeme der Spitzenländer wurden nicht evaluiert und das System blieb im Grunde was es einmal war: verkrustet und blockiert. Stellt euch ein Getriebe vor, bei dem gleichzeitig der erste und der fünfte Gang eingelegt ist. Das ist blockiert. Gleichzeitig ist aber auch noch der Rückwärtsgang eingelegt. Da geht gar nichts mehr. So ungefähr müsst ihr euch die Bildungssysteme der Länder vorstellen. Selbst wenn ein Bildungsminister eines Bundeslandes reformwillig ist, im Zweifelsfall wird er durch seinen Ministerpräsidenten gestoppt. Wenn ein Schulleiter seinen Laden modernisieren will, wird er spätestens vom Bildungsministerium gestoppt. Wenn ein Lehrer ein modernes Klassensetting praktizieren will, wird er spätestens von seiner Schulleitung gestoppt.
Dabei wird herumgedocktert wo und wie es nur geht. Glaube keine Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast. Jede Landesregierung rollt wieder neue kosmetische Reformen aus und verunsichert Eltern, Lehrer und am Schluss die Schülerinnen und Schüler noch mehr. Die Rufe sind immer gleich: frühkindliche Bildung, am besten noch vor der Geburt. Entschuldigung für die blöde Idee ... Dann der Ruf nach mehr Geld. Deutschland hat schon ein teures Bildungssystem. Mit mehr Geld haben wir ein teureres schlechtes System. Wem ist denn damit geholfen? Dabei sind sowohl die Antworten als auch die Lösungsmöglichkeiten relativ einfach. Hazel Brugger hat passenderweise eine Funfacts Folge zu dem Thema Was läuft an deutschen Schulen falsch? kreiert. In nur siebenundzwanzigeinhalb Minuten bekommt ihr hier nicht nur viel Wissen, sondern auch noch Unterhaltung geboten. Wer nicht so viel Zeit hat, guckt sich nur die letzten zehn Minuten an. Man muss nicht alles teilen, was Hazel uns da erzählt. Der Tenor ist aber klar: wenn wir nicht weiterhin solche Wahlergebnisse wie zuletzt in Sachsen-Anhalt haben wollen, müssen wir bei der Bildung ansetzen. Und weiter: dumme Sprüche wie diejenigen von Frau Prien oder dem hochgelobten Herrn Merz helfen nicht weiter.
Karin Prien nennt Ergebnisse von Pisa-Studie »besorgniserregend« (Die Zeit)
Der Spiegel veröffentlicht ein Interview [€] mit dem Studienleiter Samuel Greiff. Bei allem Respekt, den ich dem Herrn Greiff entgegen bringe. So wirklich hat er die Rostlöcher im Bildungssystem dann doch nicht im Blick - oder er redet nicht darüber. Wie wäre es damit: kein Kind darf gedemütigt werden. Kein Kind darf bedroht werden. - Zwei einfache Regeln. Bei Zuwiederhandlung wird sofort reagiert und geschaut, wie Bedrohung und Demütigung verhindert werden kann. Das kann eine besondere Fortbildung für Lehrpersonal sein, das kann eine Korrektur im Unterrichtssetting sein. Es gibt da viele Möglichkeiten. Und ja, leider sind es besonders die Randgruppen, die diesen Phänomenen ausgesetzt sind bzw. besonders unter Demütigung und Bedrohung leiden. Das kann einfach durch Schülerbefragung evaluiert werden.
Um es noch einmal klar zu sagen: Unterrichtsausfall ist in einem schlechten Bildungssystem garantiert nicht das drängendste Problem. Kaputte Toiletten dagegen schon.
Um auch dies ganz klar zu sagen: es ist nicht alles schlecht im deutschen Bildungssystem. Es gibt viele Schulen, die das Beste aus dem System machen. Es gibt viele engagierte Lehrkräfte, die allen Widernissen trotzen und eine vorbildliche Arbeit leisten. Es gibt Schulleiter, denen das Wohl der Schülerinnen und Schüler wichtiger ist als behördliche Zwänge und Vorgaben.
Ich hatte jüngst zwei längere Gespräche mit einem Lehrer, der genau vor dieser Herausforderung steht: Eine Klasse mit mindestens sechs sogenannten auffälligen Schülern. Er erzählte mir, wie er um jeden kleinsten Millimeter Fortschritt ringt. Wie wäre es zum Beispiel damit: ganz besonders auffällige Schüler haben Anspruch auf einen Schulbegleiter. Es könnte zum Beispiel einen Klassenscore geben. Wenn sechs belastete Schüler in einer Klasse diagnostiziert werden und jeder Schüler nur einen Auffälligkeitsscore von zwanzig hat, ist das in der Summe ein Belastungsscore von 120 in der Klasse. Es gibt für diese Klasse dann 120% Schulbegleitung. Jaja, ich höre schon ... Kosten ... Personal. Das ist alles Blabla. Denn jeder einzige Schüler, jede Schülerin, die in einer Klasse sitzt, in der es Tohuwabohu durch Überlastung der Lehrkraft gibt, leidet. Die belasteten Schüler leiden besonders. Das ist gesellschaftlich ein ziemlich teurer Spaß. Die Kosten für die Schäden überschreiten die Kosten für eine Kompensation um ein Vielfaches. Daher wäre eine Investition in Schulbegleiter kein Kostenfaktor für die Gesellschaft sondern eine Kostenentlastung.